Russen sollen mit chinesischen Kreditkarten bezahlen

Erst Chinakohl und Brokkoli, nun auch noch die Kreditkarte – im Streit mit dem Westen wendet sich Russland in einem weiteren Bereich an seinen fernöstlichen Nachbarn. Wollen die Russen bereits die wegfallenden Lebensmittel aus Europa ab sofort verstärkt aus China beziehen, will Moskau künftig auch das chinesische Bezahlsystem UnionPay übernehmen.

Wie chinesische und russische Medien berichten, laufen die Vorbereitungen für die Ausweitung von UnionPay auf dem russischen Markt bereits auf Hochtouren. 20.000 Kreditkarten haben die fünf größten Banken des Landes bereits ausgegeben. Das ist noch nicht viel. Doch schon im September sollen weitere 100.000 folgen. Da die meisten Geschäfte UnionPay noch nicht akzeptieren, müssen sie technisch entsprechend aufgerüstet werden. In den kommenden drei Jahren will UnionPay zwei Millionen Kreditkarten in Russland ausgeben.

Bislang war Russland komplett in Hand der beiden US-Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard. Visa beherrscht den russischen Markt zu etwa 65 Prozent, den Rest deckt Mastercard ab. Trotz mehrfacher Mahnungen und Absichtsbekundungen Putins in der jüngeren Vergangenheit haben es die Russen versäumt, ein eigenes Kreditkartensystem zu etablieren.

Diese Abhängigkeit von den beiden US-Unternehmen stellte bis vor Kurzem auch kein großes Problem dar. Doch seitdem im Frühjahr die USA und die Staaten der Europäischen Union gegen Russland Sanktionen verhängt haben, können einige besonders reiche Russen in den Edelgeschäften von Moskau, Paris und London ihre Einkäufe nicht mehr bezahlen. Ihre Kreditkartenkonten sind eingefroren.

Die Sanktionen treffen bislang zwar lediglich ein paar große russische Banken, darunter die staatliche Bank Sberbank. Grundsätzlich sind also bei Weitem nicht alle in Russland ausgegebenen Visa-Karten und Mastercards nutzlos. Doch die Angst vor einer Ausweitung sitzt tief. Und da vor allem der Führungszirkel um Putin betroffen ist, ist der russische Präsident alarmiert. Er hat bereits ein eigenes Bezahlsystem in Auftrag gegeben und die Sberbank arbeitet auch schon auf Hochtouren an einem eigenen System. Doch das dauert. Bis dahin soll China Abhilfe schaffen.

Anders als der Kreml hatte die chinesische Staatsführung bereits vor zwölf Jahren vor dem damaligem Duopol Mastercard und Visa und der drohenden Abhängigkeit vor den beiden US-Giganten gewarnt und mit UnionPay ein eigenes Kreditkartensystem etabliert.

Anfangs wurden die wenigen Chinesen im Ausland belächelt, wenn sie in Geschäften oder Restaurants ihre chinesische Kreditkarte aus dem Portemonnaie zogen und schüchtern fragten, ob sie mit der Karte mit dem rot-grünen Label bezahlen dürfen. Seitdem kaufkräftige Chinesen aber zu Millionen die Welt bereisen, ist UnionPay für Betreiber von Geschäften und Restaurants weltweit kaum mehr wegzudenken. In über 140 Ländern wird UnionPay inzwischen akzeptiert. Auch in den meisten Kaufhäusern Europas und Nordamerikas ist die Karte mit dem rot-blau-grünen Label inzwischen willkommen.

Dabei war UnionPay anfangs streng genommen keine reine Kreditkartenorganisation, sondern eher vergleichbar mit dem Debitkartensystem der Deutschen Kreditwirtschaft. Doch die Chinesen hatten sich nicht damit zufriedengegeben, UnionPay nur im eigenen Land zu nutzen oder auf Asien zu beschränken. In China ist das System mittlerweile auch Marktführer. 2012 waren bereits 34 Prozent der weltweit in Umlauf befindlichen Kreditkarte von UnionPay, Visa kam nur auf rund 25, Mastercard auf 19 Prozent. Dieser Abstand dürfte sich noch weiter vergrößern, wenn nun auch die Russen künftig auf UnionPay setzen.

Fakt ist: Moskaus Streit mit dem Westen lässt China und Russland in einem bis vor Kurzem noch kaum vorstellbaren Tempo zusammenrücken. Kurzfristig mögen die verhängten Sanktionen Russland schmerzen. Langfristig machen sie Moskau aber unabhängig vom Westen. Der große Nutznießer sind die Chinesen.

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